Die Gestalttherapie wurde in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts von Frederick S. Perls, Lore Perls und Paul Goodman begründet als ein tiefenpsychologisch orientierter Therapieansatz. Sie verbindet Erkenntnisse u.a. der Psychoanalyse, Gestaltpsychologie, Feldtheorie, Phänomenologie, Hermeneutik sowie philosophische Grundannahmen des Existentialismus und Aspekte östlicher Philosophiesysteme miteinander.
Seit ihren Anfängen wurde die Gestalttherapie kontinuierlich theoretisch und methodisch weiterentwickelt. Der Gestalt-Ansatz geht heute weit über die Grenzen eines klinischen Therapieverfahrens hinaus, hier einige der vielfältigen Anwendungsfelder
- Psychotherapie
- Beratung
- Selbsterfahrung
- Supervision
- Coaching
- Pädagogik
- Weiterbildung
- Soziale Gruppenarbeit
- Organisationsentwicklung
- Mitarbeiterkommunikation
Um Gestalttherapie von anderen Verfahren abzugrenzen, sind folgende Charakteristika hilfreich:
die phänomenologische Methode
d.h.: der Erkenntnisgewinn aus dem, was sichtbar ist, was da ist. Dem genauen Beschreiben der Phänomene, der Erscheinungen, des Sicht- und Fühlbaren wird Vorrang eingeräumt gegenüber Erklärungen, Deutungen, Interpretationen, Hypothesen über Ursachen usw.
die dialogische Beziehung
Eine dialogische Haltung bedeutet, die Spannung der Gegensätze von Gleichheit und Ungleichheit, Wissen und Nicht-Wissen, Eigeninteresse und Offenheit für den Anderen wahrzunehmen und auszuhalten. Grundannahme ist, dass die Lösungsmöglichkeiten für vorliegende Fragen und Themen letztlich immer bei den Personen selbst zu finden sind. Basis ist die personenzentrierte und dialogische Grundhaltung - Präsenz, Wertschätzung, Einfühlsamkeit, Echtheit und Transparenz.
die Feldtheorie
d.h.: allgemein die Betrachtung von Wirkungszusammenhängen. Das jeweilige Verhalten eines Menschen ist abhängig vom gesamten (Um-)Feld, also der Summe aller gegebenen Einflüsse. Zu einem solchen Feld gehört immer auch Derjenige, der es beobachtet oder, übertragen auf Beratungs- und Therapieprozesse, die Person des Beraters oder Therapeuten.
das Konzept der organismischen Selbstregulation
Dieses Konzept geht davon aus, dass jeder Organismus seinen Zweck in sich selbst hat. Der Organismus er-schafft sich selbst; Wachstum, Entwicklung und Anpassung gehören untrennbar zu ihm.